
Wie in den meisten anderen Städten und Gemeinden des Mittleren Neckarraumes wurde um das Jahr 1900 auch in Weinstadt die Wasserversorgung immer mehr zum begrenzenden Faktor für das Bevölkerungswachstum, die Landwirtschaft und die Ansiedlung von Gewerbe und Industrie. Es genügte nicht mehr, das Trinkwasser wie in den Jahrhunderten zuvor nur aus den so genannten Vierteles-Quellen, aus Brunnen, Bächen und der Rems zu schöpfen. Zum einen reichte es mengenmäßig nicht aus, zum anderen ließ die Qualität zu wünschen übrig. Folglich wurden alle Anstrengungen unternommen, den Auf- und Ausbau der zentralen Wasserversorgung in den Remstal-Gemeinden Beutelsbach, Endersbach, Großheppach, Schnait und Strümpfelbach voranzutreiben.
In Strümpfelbach wurde bereits im Jahr 1894 die erste Wasserleitung gebaut, sie transportierte Wasser aus drei Quellen in den Ort. Um die Wassernot zu lindern, wurde am 8. Dezember 1906 der Wasserverband Endersbach-Rommelshausen gegründet. Zusätzlich zu den eigenen Brunnen kaufte die Gemeinde Schnait dem Bauern Schwegler den Guggenbrunnen ab. Im Jahr 1908 begannen schließlich die Bauarbeiten zu den Wasserleitungen zwischen Schnait, Endersbach und Rommelshausen. Die Gemeinde Schnait konnte sich dank der Fallenhau-Quelle und der Baacher-Quelle lange Zeit selbst versorgen. Da die Nachfrage nach Wasser jedoch auch hier ständig stieg, schlossen sich Strümpfelbach und Schnait 1968 der Landeswasserversorgung an. Die Gemeinde Beutelsbach hingegen besaß eine Reihe von Brunnen auf der eigenen Gemarkung, allerdings war das Wasser oft von schlechter Qualität. So trat Beutelsbach bereits 1918, also ein Jahr nach der Aufnahme des Betriebs, der Landeswasserversorgung bei. Großheppach, das sein Wasser aus der Baumanns-Quelle und der Gundelsbacher-Quelle bezog, schloss sich der Wasserversorgung Nordost-Württemberg dagegen erst 1962 an.
Wegen der stetig steigenden Nachfrage fasste der örtliche Wasserverband auf der Gemarkung von Baach im Jahr 1927 die Vogt-, die Offenbach- und die Mausbrunnen-Quelle. An das öffentliche Netz wurden damals nur die Vogt- und Offenbachquelle angeschlossen. Da das Wasser auch hier schon bald nicht mehr ausreichte, kam es 1937 zum Anschluss von Endersbach an die Landeswasserversorgung. Um schließlich auch die Mausbrunnen-Quelle für die Wasserversorgung nutzen zu können, wurde in den 1960er Jahren ein Pumpwerk beim „Käppele" gebaut. Entsprechend einem Wasserlieferungsvertrag der Landeswasserversorgung und der Bodensee-Wasserversorgung von 1958 fiel Endersbach ein zusätzliches Wasserrecht von vier Litern je Sekunde zu. Dies führte dazu, dass Weinstadt in seinem Gründungsjahr 1975 lediglich sieben Prozent seines Wassers vom Wasserverband Endersbach-Rommelshausen bezog. Seit 1977 tragen die Stadtwerke Weinstadt die Verantwortung für die örtliche Wasserversorgung. Heute sorgen deren Mitarbeiter dafür, dass jährlich rund 1,3 Millionen Kubikmeter Trinkwasser aus 15 Hochbehältern durch ein 132 Kilometer langes Leitungsnetz in die Haushalte fließen. Das benötigte Trinkwasser wird aus fünf Quellen, vom Wasserverband Endersbach-Rommelshausen, von der Landeswasserversorgung und von der Wasserversorgung Nordost-Württemberg bezogen. Rund ein Viertel des Wasserbedarfs entstammt ortsnahen Vorkommen, den überwiegenden Anteil steuert die Fernwasserversorgung bei.




Anmerkung: nach dem Beitrag „Geschichte der Wasserversorgung von Weinstadt“ aus der Wanderausstellung zum Jubiläum „Landeswasserversorgung – 100 Jahre Trinkwasser für Baden-Württemberg 1912-2012“