Ist die Trinkwasserversorgung in Baden-Württemberg sicher? Diese Frage wird in Zeiten des Klimawandels immer häufiger gestellt. Sie ist berechtigt, denn in Baden-Württemberg liegt der Temperaturanstieg gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter bereits bei 1,7 Grad Celsius und damit über dem bundesweiten Durchschnittswert von 1,0 Grad Celsius. Zeit also zum Handeln. Stärker als der Niederschlag nimmt die Verdunstung zu. Bäche und Flüsse führen im Sommer weniger Wasser, teilweise trocknen sie, wie die Dreisam bei Freiburg, ganz aus. Auch die Böden verlieren bis in große Tiefen immer mehr Wasser. Folglich nimmt die Grundwasserneubildung ab, mittel- bis langfristig fallen die Grundwasserpegel. Prognosen der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg gehen für die nächsten dreißig Jahre von einer um 20 bis 50 Prozent geringeren Grundwasserneubildung aus. Besonders betroffen ist das Rheintal zwischen Freiburg und Mannheim.
Laut dem 3. Klima-Monitoringbericht der Bundesregierung verliert Deutschland mehr als andere Länder durch Dürren und Hitzewellen jährlich rund 2,5 Kubikkilometer Wasser - seit dem Jahr 2000 die Wassermenge des Bodensees. Aktuelle Klimaprognosen gehen von einer zunehmenden Dynamik des Klimawandels aus. Sie rechnen in Süddeutschland bis zum Ende des Jahrhunderts mit einem Temperaturplus von 6 bis 8 Grad Celsius gegenüber 3 bis 4 Grad Celsius bisher. Damit einher gehen Hochsommertemperaturen von bis zu 50 Grad Celsius. Werte, die bereits heute als gefühlte Temperatur, also unter Berücksichtigung einer hohen Luftfeuchtigkeit, in Ländern wie Brasilien, Bangladesch und den Philippinen deutlich überschritten werden und gravierende Auswirkungen auf Menschen und Umwelt haben.



Die Trinkwasserversorgung ist heute sicher, denn Baden-Württemberg ist ein wasserreiches Land. Wassermangelgebieten stehen Wasserüberschussgebiete in den Flusstälern, insbesondere entlang der Donau, am Rhein und am Bodensee, gegenüber. Es ist also eine Frage der Wasserinfrastruktur, immer und überall ausreichend Trinkwasser zu haben. In der Regel sind die Wasserversorgungsunternehmen dafür gut gerüstet. Trotzdem kann es an heißen Sommertagen bei länger anhaltenden Trockenperioden zu Engpässen kommen. Betroffene Gemeinden müssen ihre Wasserversorgungsinfrastruktur unter die Lupe nehmen. Sie müssen prüfen, ob ausreichend Trinkwasser aus eigenen Quellen oder durch den Bezug von anderen Versorgern zur Verfügung steht. Zudem müssen sie sicherstellen, dass die Wasserverluste im Verteilnetz gering sind. Tritt ein Engpass auf, kann das Befüllen von Pools, das Bewässern von Gärten und Parkanlagen oder das Entnehmen von Wasser aus Seen, Bächen oder Flüssen untersagt werden. Mit Trinkwasser sollte immer sorgsam umgegangen werden - insbesondere in Zeiten des Klimawandels.