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Übersicht Wer, Wie, Wasser
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Gemälde vieler Menschen die in einem Becken baden, drum herum einige Pferdewägen mit Personen sowie Umkleidezelt und Essenstafel inmitten der Natur
Badeszene aus dem Jahr 1546 – Gemälde von Lukas Cranach d.Ä.

Wasserversorgung im Zeitalter der Renaissance

Technischer Fortschritt prägte die Zeit vor 500 Jahren

Die Geschichte unserer Wasserversorgung ist eng verknüpft mit dem raschen Bevölkerungswachstum und einer einsetzenden Landflucht im späten Mittelalter. Als Folge davon häuften sich in den zunehmend dichter besiedelten Städten die Probleme aus Abfallbeseitigung und Trinkwasserversorgung. Abortanlagen mit Wasserspülung gab es nicht. Häufig fehlte sauberes Wasser in ausreichender Menge, Straßen und Plätze waren ständig verschmutzt – die hygienischen Verhältnisse ließen zu wünschen übrig. Epidemien brachen aus, die Pest entvölkerte im 14. und 15. Jahrhundert weite Landstriche in ganz Europa. Etwa 25 Millionen Menschen, ungefähr ein Drittel der Bevölkerung Europas, fielen dem Pesttod zum Opfer.

Die Erkenntnis, dass Krankheiten durch verunreinigtes Wasser übertragen werden, verbreitete sich nur langsam. Sie führte im Verlauf des 15. und 16. Jahrhunderts zu einer Vielzahl von Erfindungen mit dem Ziel der Verbesserung der Wasserversorgung in Qualität und Menge. Techniker und Ingenieure übernahmen diese Aufgaben. Frisches Wasser wurde aus Quellen, Bächen und Flüssen, aus Schöpf-, Zieh- oder aus Laufbrunnen gewonnen. Schöpfräder, Pump- und Hebewerke, Wassertürme und Wasserleitungen förderten das Wasser auf öffentliche Plätze. Von dort wurde es in die Häuser getragen.

In größeren Städten, wie in Stuttgart, Ulm, Leipzig oder Hamburg, wurden bereits im 16. Jahrhundert offene Wassergräben durch unterirdisch verlegte Wasserleitungen zur Versorgung von Laufbrunnen und von ausgewählten Einrichtungen mit einem hohen Wasserbedarf ersetzt.

Zwei Rohre aus Holz
Teicheln – Trinkwasserrohre aus Holz

Dies waren vor allem herrschaftliche Residenzen, wie Burgen und Schlösser, Klosteranlagen, städtische Betriebe, wie Brau- und Schlachthäuser, Sozialeinrichtungen, wie Badestuben, Spitäler und so genannte Hochzeitshäuser, die größeren geselligen Veranstaltungen dienten. Aus Kostengründen wurden zumeist ausgehöhlte Holzrohre, vereinzelt auch Ton-, Guss- oder Bleileitungen verwendet. Im Fall eines Brandes stand dann zumeist auch ausreichend Löschwasser zur Verfügung.

Trinkwasser wurde nach seiner Herkunft, nach seinem Aussehen, seinem Geschmack und seiner Wirkung auf den Menschen unterschieden. Der sächsische Arzt Georg Agricola schrieb dazu in seinem im Jahr 1545 erschienenen Werk

„Über die Natur der Dinge, die aus der Erde hervorquellen“

„Vier Sinne hat die Natur dem Menschen gegeben, mit denen man die Mischung der Wässer aufnehmen und über sie urteilen kann. Gesicht, Geschmack, Geruch und Tastsinn. Die meisten nimmt man mit den Augen wahr, viele mit der Zunge, mit der Nase dagegen nur wenige, mit dem Tastsinn in der Regel nur die durch Einwirkung von Wärme und Hitze gekennzeichneten.“

Er gibt den Rat, Wasser vor seinem Gebrauch auf seinen Geschmack und seine Inhaltsstoffe hin genauestens zu untersuchen. Einen ersten Eindruck für die Wasserqualität eines Brunnens oder einer Quelle liefern demnach auch der umgebende Boden und die Vegetation. Ein weiteres Merkmal für die Wasserqualität sahen die Gelehrten der damaligen Zeit im Erscheinungsbild der Menschen. Waren sie gesund und kräftig, musste das Wasser gut sein.

Die einfachen Bürgerinnen und Bürger benötigten in der Zeit der Renaissance im häuslichen Bereich relativ wenig Wasser. Es wurde zum Trinken und Kochen, zu Handwaschungen, zum Spülen von Haushaltsgeräten und zur Reinigung der Wohnungen gebraucht. Gebadet wurde in öffentlichen Badehäusern, gewaschen an zentralen Waschplätzen. Erst im 19. Jahrhundert begann der Anschluss einzelner Wohnhäuser an das öffentliche Trinkwasser-Leitungsnetz.

Ein altes Wasserpumpwerk mit Wasserrad, Wasserturm und Leitungen
Von einem Wasserrad angetriebenes Pumpwerk (1588)
Ein Brunnen unter einem Baum, im Hintergrund ein Haus
Petrusbrunnen in Ulm – heute noch erhaltener Laufbrunnen aus dem Jahr 1490
Aus einem offenen Fenster wird der Inhalt eines Behälters auf die Strasse gekippt, Menschen stehen in unmittelbarer Nähe
Entleeren des Nachtgeschirrs auf die Straße im Jahr 1489
Eine große Gestalt in lederner Kleidung steht im Vordergrund, im Hintergrund ist eine Stadt sichtbar
Pestarzt in lederner Schutzkleidung um das Jahr 1400
Ein Wasserrad entnimmt Wasser aus einem Fluß, am Schöpfbecken steht eine Frau und füllt ihren Behälter auf
Wasserschöpfrad zur Entnahme von Flusswasser (16. Jahrhundert)
Schwarz-Weiß-Abbildung eines Mannes der Wasser trägt mit zwei Behältnissen und einem Gurt um den Hals
Wasserträger stellten lange Zeit die Wasserversorgung sicher

Quelle:
Die Wasserversorgung in der Renaissancezeit, Frontinus-Gesellschaft, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2000

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