
„Wasser sparen!“
„Unterbrechung der Trinkwasserversorgung!“
„Probleme mit der Wasserqualität!“
So oder so ähnlich lauteten vor 100 Jahren mit schöner Regelmäßigkeit die Schlagzeilen in vielen Städten und Gemeinden Baden-Württembergs. Noch um das Jahr 1900 war eine sichere Trinkwasserversorgung, so wie wir sie heute kennen, insbesondere in den heißen Sommermonaten keine Selbstverständlichkeit.
Baden-Württemberg ist von Natur aus in weiten Teilen ein wasserarmes Land. Einzelne Brunnen, Hülen als Sammelbecken von Oberflächenwasser und die wenig ergiebigen, so genannten „Viertelesquellen“, bildeten zumeist die Grundlage für die Trinkwasserversorgung der Menschen im Land. Die steigende Bevölkerungszahl, die Zunahme des Viehbestandes in der Landwirtschaft, das aufblühende Handwerk und der Beginn der Industrialisierung führten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem raschen Anstieg des Wasserbedarfs – der Wassermangel wurde zunehmend zum Problem.
Sehr einprägsam beschreibt das folgende Dokument aus dem Jahr 1790 die Situation auf der Schwäbischen Alb: „Und wenn auch den übrigen Dörfern der Alb ihre Wasserbehältnisse nicht ganz vertroknen, so wird doch das Wasser darin so durch die Sonnenhitze verdorben, und mit einer Haut aus Infecten und aus der Fäulnis entstehenden Pflanzen überzogen, daß es einem Thalbewohner dafür wie vor Sümpfen ekeln muß.“
Aus der Zeit um 1870 ist ein ähnlich lautendes Zitat überliefert: „Für uns ging’s schon noch, aber das Vieh sauft’s nicht mehr.“
Die Notwendigkeit, unzureichende örtliche Trinkwasserversorgungen durch die Zuleitung von sauberem Trinkwasser zu verbessern, war erkannt. Ab dem Jahr 1870 wurde eine Vielzahl von Albwasserversorgungsgruppen gegründet.
Diese hatten die Aufgabe, die in einer Gruppe zusammengeschlossenen Gemeinden auf der Albhochfläche mittels eines Pumpwerks und Fernleitungen mit Trinkwasser aus den wasserreicheren Albtälern zu versorgen. Der Wassernotstand war damit beseitigt.
Aufgrund der positiven Erfahrungen zur überregionalen Trinkwasserversorgung wurden im Jahr 1885 erste Überlegungen zur Gründung einer Fernwasserversorgung für den Großraum Stuttgart angestellt. Auch hier verschärfte sich die Wasserknappheit zusehends. Umfangreiche Untersuchungen ergaben, dass aus den Grundwasservorkommen im württembergischen Donauried nordöstlich von Ulm ausreichend Trinkwasser bester Qualität entnommen werden konnte, um den Wasserbedarf vieler Städte und Gemeinden langfristig zu decken.
Am 8. Juli 1912 wurde per königlichem Dekret die Landeswasserversorgung als erstes deutsches Fernwasserversorgungsunternehmen gegründet. Nach nur fünf Jahren Bauzeit gingen im Sommer 1917 die Anlagen in Betrieb. Eine Brunnenreihe, ein Pumpwerk und eine Fernleitung in den Mittleren Neckarraum sicherten mit einer zuverlässigen Trinkwasserversorgung die weitere Entwicklung der an der Leitungstrasse gelegenen Orte. Der ständige Ausbau der Wasserwerke und des Leitungsnetzes gewährleisten bis heute die Trinkwasserversorgung von rund drei Millionen Einwohnern im östlichen Teil Baden-Württembergs.