
Für das Färben von Stoffen und Leder wird seit jeher viel Wasser gebraucht. In früheren Zeiten lagen die Handwerksbetriebe daher an Bächen und Flüssen, heute übernimmt diese Aufgabe die zentrale Wasserversorgung. In einem Handbuch der Färber aus dem 19. Jahrhundert heißt es: „Man legt das schmutzige weiße Zeug zweimal 24 Stunden in verschlossene steinerne oder irdene gut glasierte Gefäße in eine kalte schwache Lauge so, daß das Zeug von derselben bedeckt ist. Nachdem spület man es gut in der Lauge aus, und legt es dann in ein helles Wasser, und lässt es einen halben Tag wässern, damit die Lauge gut ausgezogen werde: dann spült man es aus, und ziehet es noch einmal durch frisches Wasser, und windet es wieder aus, dann lässt man es trocknen so ist die Wäsche fertig, und hat den höchsten Grad der Reinheit und Weiße. Die Lauge, in die das Zeug zu liegen kommt, muß sehr klar und rein sein; man kann nämlich die Asche in ein 3 bis 4 doppeltes grobes Tuch oder Sack tun, und gut zubinden dann schüttet man Flusswasser darauf, und lässt es so über Nacht, oder auch länger stehen, so erhält man eine helle, und sehr gute Lauge.“ War das zur Verfügung stehende Wasser nicht sauber genug, so erteilte das Buch einen einfachen Rat: „Ist das Flußwasser trüb, so lässt man es durch Sand laufen, so erhält man immer ein klares Flusswasser, was immer besser ist als Brunnenwasser; denn das Brunnenwasser ist zu hart.“


Gerbereien und Färbereien benötigten für die Leder- und Stoffherstellung sehr viel Wasser.
Ähnlich den Färbern waren auch die Bierbrauer auf Wasser guter Qualität angewiesen. In einer Schrift aus dem 19. Jahrhunderts ist zu lesen: „Das Wasser, eines von den Hauptteilen bei einer Bierbrauerei, ist wie jedem bekannt, entweder hart oder weich, Regen- Quell- Teich- oder Flußwasser. Noch eine dritte Art, Sumpf- und Graben- oder überhaupt stehendes Wasser ziehe ich deshalb hier überhaupt nicht in Betrachtung, weil es wegen seiner schmutzigen Bestandteile ein vor allemal zum Bierbrauen nicht gebraucht werden sollte, ob dasselbe gleich leider an vielen Orten noch häufig gebraucht und sogar davon behauptet wird, es trage viel zur Güte des Bieres bei, wovon sich sehr leicht das Gegenteil beweisen ließe; denn es erlangt letzteres glücklicherweise auch anfänglich einen Schein von Güte, so kann es sich gewiß nicht halten, sondern wird bald unschmackhaft, schal und sauer." Weiter hieß es: „Es liegt daher ein Brauhaus außerordentlich vorteilhaft, wenn in dessen Nähe ein Fluß, dessen Lauf der freien Luft und Sonne viel ausgesetzt, oder doch gutes Teichwasser, das tief steht, einen reinen sandigen steinigen Boden hat und der Sonne und Luft zugänglich ist, sich befindet.“
Um das Jahr 1900 entwickelte sich aus dem Beruf des Flaschners der Beruf des Installateurs. Beim Bau der Anlagen zur zentralen Wasserversorgung hatte er die Aufgabe, Gebäude und Einrichtungen an das öffentliche Leitungsnetz anzuschließen und Vorratsbehälter, Zapfstellen, Wandbecken, Badewannen und Duschen aufzustellen und in Betrieb zu nehmen. Hinzu kamen Anlagen der Warmwasserbereitung und der Abwasserbeseitigung. Dabei waren immer wieder neue Werkstoffe, neue Verfahren und neue Werkzeuge zu entwickeln. Daran hat sich bis in die heutige Zeit hinein kaum etwas geändert.


Anmerkung: nach dem Beitrag „Berufe verändern sich – neue Berufe entstehen“ aus dem Jubiläumsband „Landeswasserversorgung – 100 Jahre Trinkwasser für Baden-Württemberg 1912-2012“
Quelle: Vögele, Jörg: Sozialgeschichte städtischer Gesundheitsverhältnisse während der Urbanisierung, Berlin 2001, Schriften zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Band 69