
Noch vor 150 Jahren war es mit der Trinkwasserversorgung im Land nicht zum Besten bestellt. Insbesondere auf den Hochflächen der Schwäbischen Alb litten die Menschen oftmals und über lange Zeiträume hinweg unter Wassernot. Regen- und Quellwasser wurde in offenen Bodenmulden, den so genannten Hülen, oder in Zisternen gesammelt. Vereinzelte Brunnen erschlossen das Grundwasser. Das Vieh hatte oftmals nicht ausreichend zu trinken, die Ernte vertrocknete, viele Menschen verließen das Land. Nur in den wenigen, von Bächen und Flüssen durchzogenen Tälern war das Leben erträglicher. Hier gab es zumeist ausreichend Wasser.
Erst der technische Fortschritt erlaubte es, mehr und besseres Wasser aus den Tälern in die Dörfer auf der Albhochfläche zu bringen. Zuerst erfolgte der Transport in Fässern auf von Ochsen, Kühen oder Pferden gezogenen Wagen, später dann auch durch Pumpwerke in Rohrleitungen. Damit war der Anfang einer modernen Trinkwasserversorgung gemacht. Wasser stand nun zu jeder Zeit zur Verfügung, und zwar direkt in den Häusern.
Ein Vorläufer und ein Vorbild dieses Systems weit über die Grenzen Württembergs hinaus war ein im Jahr 1715 errichtetes kleines Pumpwerk an den Gütersteiner Wasserfällen bei Bad Urach. Von hier aus wurde durch eine 2 700 Meter lange Bleirohrleitung der 161 Meter höher gelegene herzogliche Gestütshof Sankt Johann mit Wasser versorgt. Das Funktionsprinzip war denkbar einfach.


Das zu Tage tretende Quellwasser wurde in einem Schacht gesammelt und einem großen Wasserrad zugeleitet. Ein Teil des ablaufenden Wassers wurde durch die vom Wasserrad angetriebenen drei Kolbenpumpen in die Leitung nach Sankt Johann gefördert. Mit der vorhandenen Wasserkraft von rund einer Pferdestärke konnten täglich bis zu 20 000 Liter Trinkwasser gefördert werden. Das Prinzip dieses ersten Hochdruckpumpwerkes hat sich bewährt. Die Anlage ist seit 290 Jahren mit einigen Umbauten noch heute in Betrieb.
Der ständig wiederkehrende Wassernotstand, die technischen Möglichkeiten des beginnenden Industriezeitalters, eine hervorragende Planungsleistung, die Bereitstellung der erforderlichen Geldmittel und der Wunsch, die Lebensverhältnisse spürbar zu verbessern, führten vor 135 Jahren zur Gründung der „Unteren Schmiechgruppe", der ersten Albwasserversorgungsgruppe. Die Gemeinden Ingstetten, Justingen und Hausen hatten beschlossen, zur gemeinsamen Wasserversorgung ein Pumpwerk an der unteren Schmiech zu bauen. Dieses hatte die Aufgabe, das der Schmiech entnommene und über Sand filtrierte Wasser mit Hilfe eines durch die Wasserkraft des kleinen Baches angetriebenen Wasserrades und mittels Kolbenpumpen in einer Gussleitung rund 190 Meter hoch in einen Wasserbehälter zu fördern. Von dort konnte das Wasser dann im freien Gefälle den drei Orten zugeleitet werden.
Das Projekt wurde durch die großzügige Hilfe des Landes finanziell unterstützt. Damit war für insgesamt 1 320 Menschen eine neue Lebensgrundlage geschaffen worden. Mit dem sauberen Wasser gingen die durch Typhus bedingten Todesfälle zurück. Die Zunahme des Viehbestandes hatte einen höheren Lebensstandard zur Folge.
Schon nach kurzer Zeit wurde deutlich, dass sich das Prinzip einer gemeinschaftlichen Trinkwasserversorgung mehrerer Gemeinden bestens bewährt. Folgerichtig wurden in den darauffolgenden Jahren fast flächendeckend 36 weitere Wasserversorgungsgruppen auf der Schwäbischen Alb gegründet. Ständig modernisiert und den Erfordernissen angepasst, übernehmen sie bis heute die Trinkwasserversorgung dieser Region.





Quelle:
Wasser in jedwedes Bürgers Haus, Max Kromer, Ullstein-Verlag, Frankfurt/Berlin 1962
125 Jahre Albwasserversorgung, Winfried Müller, vedewa r.V., Hinderer Verlag, Stuttgart 1995