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Übersicht Wer, Wie, Wasser
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Abbildung einer alten Kolbenpumpe mit großen Rädern und Mechanik
Kolbenpumpe der Albgruppe III aus dem Jahr 1875 im Pumpwerk Blaubeuren

Wasser in jedwedes Bürgers Haus

Die Albwasserversorgung – vor 290 Jahren fing alles an

Noch vor 150 Jahren war es mit der Trink­wasser­versorgung im Land nicht zum Besten bestellt. Insbesondere auf den Hochflächen der Schwäbischen Alb litten die Menschen oftmals und über lange Zeit­räume hinweg unter Wassernot. Regen- und Quell­wasser wurde in offenen Boden­mulden, den so genannten Hülen, oder in Zisternen gesammelt. Vereinzelte Brunnen erschlossen das Grund­wasser. Das Vieh hatte oftmals nicht ausreichend zu trinken, die Ernte vertrocknete, viele Menschen verließen das Land. Nur in den wenigen, von Bächen und Flüssen durch­zogenen Tälern war das Leben erträg­licher. Hier gab es zumeist ausreichend Wasser.

Erst der technische Fort­schritt erlaubte es, mehr und besseres Wasser aus den Tälern in die Dörfer auf der Alb­hoch­fläche zu bringen. Zuerst erfolgte der Trans­port in Fässern auf von Ochsen, Kühen oder Pferden gezogenen Wagen, später dann auch durch Pump­werke in Rohr­leitungen. Damit war der Anfang einer modernen Trink­wasser­versorgung gemacht. Wasser stand nun zu jeder Zeit zur Verfügung, und zwar direkt in den Häusern.

Ein Vorläufer und ein Vorbild dieses Systems weit über die Grenzen Württembergs hinaus war ein im Jahr 1715 errichtetes kleines Pump­werk an den Güter­steiner Wasser­fällen bei Bad Urach. Von hier aus wurde durch eine 2 700 Meter lange Blei­rohr­leitung der 161 Meter höher gelegene herzogliche Gestüts­hof Sankt Johann mit Wasser versorgt. Das Funktions­prinzip war denkbar einfach.

Teich umgeben von Häusern, Höfen und Tieren. Eine Frau führt zwei Kühe zum Wasser.
Hüle – Wasserspeicher für die Versorgung vor 150 Jahren
Mann schöpft wasser in einen großen Behälter auf einem Pferdefuhrwerk
Noch um das Jahr 1900 wurde Wasser mit Pferdefuhrwerken transportiert

Das zu Tage tretende Quell­wasser wurde in einem Schacht gesammelt und einem großen Wasser­rad zugeleitet. Ein Teil des ablaufenden Wassers wurde durch die vom Wasser­rad angetriebenen drei Kolben­pumpen in die Leitung nach Sankt Johann gefördert. Mit der vorhandenen Wasser­kraft von rund einer Pferdes­tärke konnten täg­lich bis zu 20 000 Liter Trink­wasser gefördert werden. Das Prinzip dieses ersten Hoch­druck­pump­werkes hat sich bewährt. Die Anlage ist seit 290 Jahren mit einigen Umbauten noch heute in Betrieb.

Der ständig wiederkehrende Wasser­notstand, die technischen Möglich­keiten des beginnenden Industrie­zeitalters, eine hervorragende Planungs­leistung, die Bereit­stellung der erforder­lichen Geld­mittel und der Wunsch, die Lebens­verhält­nisse spürbar zu verbessern, führten vor 135 Jahren zur Gründung der „Unteren Schmiechgruppe", der ersten Albwasser­versorgungs­gruppe. Die Gemeinden Ingstetten, Justingen und Hausen hatten beschlossen, zur gemeinsamen Wasser­versorgung ein Pumpwerk an der unteren Schmiech zu bauen. Dieses hatte die Aufgabe, das der Schmiech entnommene und über Sand filtrierte Wasser mit Hilfe eines durch die Wasser­kraft des kleinen Baches angetriebenen Wasserrades und mittels Kolben­pumpen in einer Guss­leitung rund 190 Meter hoch in einen Wasser­behälter zu fördern. Von dort konnte das Wasser dann im freien Gefälle den drei Orten zugeleitet werden.

Das Projekt wurde durch die großzügige Hilfe des Landes finanziell unterstützt. Damit war für insgesamt 1 320 Menschen eine neue Lebens­grundlage geschaffen worden. Mit dem sauberen Wasser gingen die durch Typhus bedingten Todes­fälle zurück. Die Zunahme des Vieh­bestandes hatte einen höheren Lebens­standard zur Folge.

Schon nach kurzer Zeit wurde deutlich, dass sich das Prinzip einer gemein­schaftlichen Trink­wasser­versorgung mehrerer Gemeinden bestens bewährt. Folge­richtig wurden in den darauffolgenden Jahren fast flächen­deckend 36 weitere Wasser­versorgungs­gruppen auf der Schwäbischen Alb gegründet. Ständig modernisiert und den Erforder­nissen angepasst, übernehmen sie bis heute die Trink­wasser­versorgung dieser Region.

Technische Zeichnung einer Brunnenstube
Brunnenstube an den Gütersteiner Wasserfällen bei Bad Urach um 1715 (Längs- und Querschnitt)
Alter gezeichneter Plan eines Pumpwerkes
Plan des Pumpwerks Teuringshofen an der Unteren Schmiech aus dem Jahr 1870
Kellerartiger Raum mit einem Rohr auf dem Boden
Wasserspeicher für die Versorgung vor 150 Jahren
Brunnen mit Ornamenten und Wasseraustritt
Trinkwasserbrunnen um das Jahr 1900
Wasser tropft an einem bemoosten Felsen hinunter in ein Wasserbecken
Gütersteiner Wasserfälle bei Bad Urach

Quelle:
Wasser in jedwedes Bürgers Haus, Max Kromer, Ullstein-Verlag, Frankfurt/Berlin 1962
125 Jahre Albwasserversorgung, Winfried Müller, vedewa r.V., Hinderer Verlag, Stuttgart 1995

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