
Typhus, Pest und Cholera sind hochansteckende Infektionskrankheiten, die sich rasch ausbreiten und vielen Menschen den Tod bringen können. Am bekanntesten dürfte wohl die Pestepidemie des Mittelalters sein, der in den Jahren von 1347 bis 1353 schätzungsweise 25 Millionen Menschen zum Opfer fielen – ein Drittel der damaligen Bevölkerung Europas. Der jüdischen Bevölkerung wurde der Vorwurf gemacht, sie hätte durch die Vergiftung der Brunnen den „schwarzen Tod“ über die Menschen gebracht. Judenverfolgungen und die Vernichtung jüdischer Gemeinden waren in Teilen Europas die Folge.
Aber auch Typhus- und Choleraepidemien brachten und bringen heute noch vielen Menschen Krankheit und Tod, wie die Choleraepidemien in Wien im Jahr 1830/31 mit rund 2 000 Toten und in Hamburg im Jahr 1892 mit 8 600 Toten. Weltweit wurden im Jahr 2007 rund 177 000 Choleraerkrankungen gemeldet, rund 4 100 Menschen überlebten die Krankheit nicht. An Typhus erkranken jährlich weltweit rund 32 Millionen Menschen, überwiegend in den Entwicklungsländern. Noch bis in das 20. Jahrhundert hinein wurden diese Seuchen auch in Deutschland in weiten Teilen der Bevölkerung als Strafe Gottes gesehen.
Erst umfangreiche und konsequente wissenschaftliche Untersuchungen, wie die des deutschen Arztes und Bakteriologen Robert Koch und des französischen Naturwissenschaftlers Louis Pasteur führten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu der Erkenntnis, dass der Ausbruch und die Verbreitung dieser Seuchen auf Keime zurückgehen, die sich oftmals infolge unzureichender hygienischer Verhältnisse ausbreiten – nämlich dann, wenn Trinkwasser und Lebensmittel mit Abwasser und Abfallstoffen in Berührung kommen.Entsprechende Verhältnisse treten vor allem dann auf, wenn viele Menschen unter ärmlichen Bedingungen auf engem Raum zusammenleben. Dann ist die Gefahr groß, dass Krankheitserreger durch Wasser, Lebensmittel oder auch Tiere, wie Flöhe von Ratten bei der Pest, übertragen werden. Die zum Teil katastrophalen Verhältnisse in den Städten des Mittelalters und in vielen Städten Europas zu Beginn des Industriezeitalters waren ein idealer Nährboden für den Ausbruch von Epidemien. Wie die Erfahrung zeigt, gehören Seuchen jedoch nicht allein der Vergangenheit an. Auch heute noch können sie unter entsprechenden Bedingungen ausbrechen.


Louis Pasteur (*1822 †1895) und Robert Koch (*1843 †1910) erforschten die Ursachen vieler Infektionskrankheiten.
Die Choleraepidemien in Mittel- und Südamerika im Jahr 1991, in Simbabwe im Jahr 2008 oder in Pakistan und Haiti im Jahr 2010 legen Zeugnis davon ab. Auslöser in Pakistan waren großflächige und lang anhaltende Überschwemmungen im Industal, in Haiti war die Ursache ein verheerendes Erdbeben.
Seit vielen Jahrzehnten lehren die Vorschriften, dass Lebensmittel hygienisch einwandfrei sein müssen und dass in Trinkwasser keine krankheitserregenden Keime enthalten sein dürfen. Trinkwasser ist jedoch nicht steril, also keimfrei; vergleichbar mit anderen Lebensmitteln dürfen auch im Trinkwasser in geringer Zahl „normale“ Keime enthalten sein. Um die strengen Auflagen der Trinkwasserverordnung einzuhalten, kann Trinkwasser etwas Chlor zudosiert werden. Dies ist bei weitem unkritischer als den Ausbruch einer Seuche zu riskieren.
Quellen:
Die Wasserversorgung im Mittelalter, Geschichte der Wasserversorgung, Band 4, Frontinus-Gesellschaft, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1991; Wikipedia Online-Lexikon, Stand: Februar 2011