
Die Geschichte der Quelle reicht mehr als 700 Jahre zurück. Sie wurde von Mühlen und für die Wasserversorgung der nahen Umgebung genutzt, insbesondere für das Kloster Neresheim und das benachbarte Jagdschloss der Fürsten von Thurn und Taxis. In einem alten Wasserrechtsbuch ist dazu vermerkt: „Wie die Buchbronn-Mühle an das Gotteshaus und nunmehrige Heilige Stift Neresheim gekommen, lässt sich eigentlich nicht bestimmen, wenn schon in der confirmations Bulla, die Papst Bonifatius VIII anno 1298 dem geweihten Gotteshause erteilt hat, von dem Buchbronn Meldung geschieht.“ Die Geschichte des Reichsstifts Neresheim aus dem Jahr 1792 dagegen wird konkreter, hier heißt es: „So war unter ihm", dem Klostervorsteher Simbert, „die für das Kloster unschätzbare Buchbrunnenmühle bey Dischingen gekauft." Dieser Kauf dürfte auf das Jahr 1697 zurückgehen. Damals stand eine Öl- und Getreidemühle am Quellsee, die zum Kloster Neresheim gehörte. Im Jahr 1802 gelangte sie in den Besitz des Hauses Thurn und Taxis. In historischen Dokumenten ist zu lesen: „Es liegt angemerkte Mühle zwischen Dischingen und Palmertshofen oder zwischen der sogenannten Guldis- und Rappen-Mühle, hat ihr eigenes Wasser, sogleich an der Mühle mit einer so ergiebig eigenen Quelle entspringt, dass davon 4 Mahl- und ein Gerbgang, nebst einer besonders gebauten Ölmühle umgetrieben werden ohne jemals im Jahre einen Abgang, oder Wassermangel zu verspihren."



Die Sommerresidenz der Fürsten von Thurn und Taxis (Aufnahme um 1900) erhält noch heute ihr Trinkwasser aus der Buchbrunnenquelle. Angetrieben von einem Wasserrad stand in der Mühle eine Kolbenpumpe; mit dieser wurde das Quellwasser zu dem auf der Anhöhe gelegenen Schloss Thurn und Taxis gefördert
Im Jahr 1929 gelangte die Karstquelle in den Besitz der Landeswasserversorgung. Zwei Jahre zuvor hatte ein Gewerbeinspektor aus Stuttgart, der die Verhandlungen über den weiteren Ausbau der LW im Württembergischen Landtag verfolgte, in einem Schreiben an das Staatsministerium auf die Möglichkeiten zur Nutzung der Quelle aufmerksam gemacht.
Untersuchungen ergaben, dass sich die Buchbrunnenquelle ausgezeichnet zur Trinkwassergewinnung eignet, da die Schüttung ergiebig und gleichmäßig ist. Nach umfangreichen Erkundungen beschloss man 1952, die Quelle, die sich aus einem rund 280 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet auf dem „Härtsfeld" speist, für die Fernwasserversorgung zu nutzen. Fünf Jahre später ging das Egauwasserwerk in Betrieb.
In vier Bauabschnitten entstand das Egauwasserwerk in seiner heutigen Form. Das erste Werk bestand aus einer Quellfassung, einem Messgerinne, einem Betriebslabor, einer Werkstatt mit Garagen, einem Lagergebäude und einer Werkssiedlung für die Mitarbeiter.
In einer Festschrift heißt es dazu: „In dieser herbschönen Landschaft des Vorrieses mit den fremdartig anmutenden Griesbuckeln liegt der Buchbrunnen. Früher ein stiller Weiher mit einer idyllischen Mühle; heute laufen dort kraftvolle Pumpen in modernen Werkshallen und fördern das kostbare Wasser, das in einem domartig überwölbten Fassungsbauwerk gebändigt worden ist. Der Zauber um den urtümlichen Brunnen ist nicht mehr. Aber man muß ein hohes Lied singen denen, die das schöne Bauwerk erstellt haben, in dem die Wässer wie in einem heiligen Tempel aus der Erde dunklem Schoß zum Lichte drängen.“
Abhängig von der Wasserführung der Egau werden der Quelle bis zu 800 Liter Grundwasser je Sekunde entnommen und in einem mehrstufigen Verfahren zu Trinkwasser aufbereitet, eine Menge, die für die Trinkwasserversorgung von 400 000 Menschen in Baden-Württemberg und in einigen benachbarten bayerischen Städten und Gemeinden ausreicht.


Anmerkung: nach dem Beitrag „Bau und Betrieb des Egauwasserwerks" aus dem Jubiläumsband „Landeswasserversorgung – 100 Jahre Trinkwasser für Baden-Württemberg 1912-2012“