
Ohne die Landeswasserversorgung hätte sich die Region rund um Stuttgart hinsichtlich ihres rasanten Bevölkerungswachstums und der wirtschaftlichen und industriellen Entwicklung bis heute sicherlich nicht so dynamisch und erfolgreich entwickelt. Die beiden LW-Hauptleitungen von Niederstotzingen über Aalen nach Stuttgart wurden rasch zur Lebensader des Mittleren Neckarraumes. Ungefähr einen Tag dauerte es, bis das Grundwasser aus dem württembergischen Donauried bei Ulm als Trinkwasser im Behälter Rotenberg bei Stuttgart ankam. Bis heute kommt es aus einer Vielzahl von Brunnen. Im Wasserwerk Niederstotzingen wurde es mit großen Pumpen in die rund 100 Kilometer lange Fernleitung gefördert. Das war nicht immer so; bis um das Jahr 1900 versorgten sich die Städte und Gemeinden ortsnah aus dem Grundwasser, aus Quellen oder aus Bächen. Seit nunmehr 100 Jahren erhalten die Menschen im Großraum Stuttgart und entlang der Fernleitungen ihr Trinkwasser von der Landeswasserversorgung.
Um das Jahr 1900 führte der Wassermangel in weiten Teilen Württembergs zu der Erkenntnis, dass sehr vielen Städten und Gemeinden ohne eine leistungsfähige Trinkwasserversorgung die Grundlage für die gewünschte Entwicklung fehlte. Da die gemeindeeigenen Wasservorkommen schlichtweg nicht ausreichten, unterschrieb der letzte württembergische König Wilhelm II. am 8. Juli 1912 die Urkunde zur Gründung der Landeswasserversorgung. Nur der Staat war in der Lage, eine derart große Aufgabe zu finanzieren und zu bewältigen. Dies war die Geburtsstunde der ersten Fernwasserversorgung Deutschlands. Sie diente in den darauffolgenden Jahrzehnten als Vorbild für den Bau vieler weiterer großer Wasserversorgungsanlagen.
Nach umfangreichen Bauarbeiten floss inmitten der Wirren des Ersten Weltkrieges am 1. Juli 1917 zum ersten Mal Grundwasser aus dem Donauried aus den Wasserhähnen in Stuttgart – in bester Qualität und in ausreichender Menge. Das Stuttgarter Neue Tagblatt schrieb zum ersten Betriebsjahr der Landeswasserversorgung in seiner Ausgabe vom 30. Mai 1918: „Dem Ernste der Zeit entsprechend vollzog sich in aller Stille die Inbetriebnahme der Landeswasserversorgung, dieses großen und einzigartigen Werks, das täglich 30 bis 40 Millionen Liter köstlichen Wassers nach allen Richtungen hin spendet.
... Wer sich noch der Kämpfe und Aufregungen erinnert, die in Stuttgart früher die Wasserfrage hervorgerufen hat, der freut sich von Herzen der jetzigen Lösung, die so still gekommen ist, und allen den einstigen Klagen und Ausbrüchen ein Ende macht. Vorüber wohl für alle Zeiten ist das Geschrei über den Karbolgeschmack, und unbesorgt vor Gesundheitsschaden kann man jetzt an der Wasserleitung in der Küche sein Glas zur Durststillung füllen oder seinen Topf zur Kaffee-und Teebereitung, ein Vorzug, der in den jetzigen Zeitläufen doppelt dankbar begrüßt wird. Da ist es wohl am Platze, daß man auch heute noch einmal wie dies früher schon an dieser Stelle geschehen ist, der Genugtuung über die gelungene Leistung Ausdruck gibt und dem Dank an die Männer, die unter Überwindung größter Schwierigkeiten mitten im Krieg dieses segensreiche Kulturwerk geschaffen haben.“



