
Die von 1550 bis 1750 währende Zeitepoche des Barock ist in besonderer Weise durch die Baukunst und die bildenden Künste geprägt. Nach der Renaissance steht das Barock-Zeitalter für Lebensfreude in runden, ausschweifenden und bewegten Formen. Hervorzuheben ist die Vielzahl prachtvoller Kirchenbauten und prunkvoller Schlossanlagen im mittel-und südeuropäischen Raum. Dagegen ist weniger bekannt, welchen Stellenwert die Wasserversorgung zu dieser Zeit hatte und welche Möglichkeiten es gab, die Versorgung der Menschen sicherzustellen.
Während die europäischen Fürstenhäuser im Barock dem Element Wasser eine hohe Bedeutung zumaßen und dies in Form von aufwändig gestalteten Brunnenanlagen und Wasserspielen zum Ausdruck brachten, gestaltete sich die Wasserversorgung der einfachen Bevölkerung schwierig. Dies spiegelt sich in einem Text zur Wasserversorgung von Kirchheim unter Teck aus dem Jahr 1613 wider. Hier heißt es nach dem Ausbau eines Brunnenwerks, dass die Versorgung der Brunnen der Stadt, dem Schloss und dem Spital durch Holzleitungen, den Deicheln, aus dem Flüsschen Lauter „allerdings verbessert sonderlich aber dahin gerichtet, das man instünstige in solche Bronnen nit nur wie zuevor, mit gemainem sonderm ainem Rainen Trinkwasser von Bronnenquellen, bestendig versehen sein solle“.
An anderer Stelle wir auch darüber geklagt „Das auch Inn den Deucheln gar mitten in der Statt Frösch, Krotten, Krebs und dergleichen öfters heraus gethan worden, Ja man die Lauter durch Ergebendt Regenwetter trüeb und Ohnlauter, daß möniglich davor einen Abscheuen hat und selbiges nicht genüßen tan.“ Trübes Wasser und Unterbrechungen der Wasserversorgung wegen verstopfter und im Winter eingefrorener Rohre waren alltäglich. Dazu kam, dass die Menschen das Trinkwasser von den Brunnen der Stadt in ihre Häuser tragen mussten.



Das Kirchheimer Brunnenwerk lag an dem von der Lauter durchflossenen Stadtgraben. Antriebsquelle für die Wasserförderung war ein Wasserrad, das den Wasserstau der benachbarten Wehranlage nutzte. Die Lage des Brunnenwerkes innerhalb der Stadtbefestigung stellte die Wasserversorgung auch im Belagerungsfall und bei einem Brand sicher. Außerhalb der Stadtmauer liegende Versorgungsanlagen konnten unterbrochen oder vergiftet werden. Das Brunnenwerk versorgte um das Jahr 1658 rund 2.000 Einwohner. Im Jahr 1685 beschloss der Rat der Stadt den Neubau einer drei Kilometer langen Deichelleitung von einer Quelle in die Stadt. Ausschlaggebend für die Entscheidung waren die bessere Wasserqualität und eine höhere Versorgungssicherheit. Das Wasserrad stand nämlich still, wenn der Wassergraben zugefroren war.
Waren Brunnen in früheren Zeiten vor allem einfache Wasserspender, so dienten sie ab dem Mittelalter immer mehr auch der Verschönerung von Straßen und Plätzen. Insbesondere die Brunnen des Barock erzählen von der Lebensfreude, dem Reichtum und der Macht ihrer Erbauer. Das Wasser sollte den dargestellten Herrschern und den sie begleitenden Figuren einen passenden Rahmen geben. Der Brunnen auf dem Marktplatz von Ludwigsburg ist Herzog Eberhard Ludwig anlässlich der Stadtgründung im Jahr 1709 gewidmet. Da nahe Ludwigsburg nur wenig Wasser zur Verfügung stand, fiel das Wasserspiel vergleichsweise bescheiden aus.
Weit mehr als in den städtischen Brunnen kam die barocke Lebensfreude in den Wasserspielen der Paläste und Gärten weltlicher und kirchlicher Machthaber zum Ausdruck. Aufwändig gestaltete Zierbrunnen, Wassergrotten, Fontänen, Kaskaden, große Wasserflächen und Kanäle unterstrichen den Glanz und den Herrschaftsanspruch der Mächtigen.



Quelle:
Wasser im Barock. Geschichte der Wasserversorgung, Band 6, Frontinus-Gesellschaft, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2004