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Zeichnung von Esslingen mit Umgebung, Stadt und Burg
Um das Jahr 1650 speiste Quellwasser die Esslinger Brunnen

Esslingens Wasserversorgung

Taktgeber für die Entwicklung der Stadt

Esslingens Weg von der ortsnahen Wasser­versorgung aus Quellen, Brunnen und dem Neckar zur heutigen Trinkwasser­versorgung aus dem Donau­ried bei Ulm und aus dem Boden­see ist lang und bedeutsam für den Aufstieg Esslingens zur einst freien und mächtigen Reichs­stadt und zur heutigen Industrie­metropole im Mittleren Neckar­raum. Entsprechend erster urkundlicher Erwähnungen reicht er in die Zeit um das Jahr 1300 zurück. Während das Hand­werk und Gewerbe das Wasser dem Neckar entnahm, wurden für die Versorgung der Bürger auf öffent­lichen Plätzen Brunnen gebaut. Sie gehen zum Teil auf das 14. Jahrhundert zurück und wurden aus Quellen am Krummen­acker, am Wälden­bronn, am Lantelen­graben, an der Oberen Beutau, beim Mettinger Tor oder unter der Frauen­kirche gespeist. Neben der Wasser­versorgung von Mensch und Vieh dienten sie auch zum Wäsche­waschen und zum Reinigen und Frisch­halten von Lebens­mitteln. So schwammen an Markt­tagen Fische in den Brunnen­becken.

Um das Jahr 1564 zählte Esslingen bereits 15 Rohrbrunnen. Sie waren durch Deichel, ausgehöhlte Holz­rohre, mit den Quellen verbunden und trugen dazu bei, dass es in der Stadt ausreichend sauberes Wasser gab. Von den Brunnen wurde das Wasser Eimer für Eimer in die Häuser getragen. Zisternen sammelten das Regen­wasser der Dach- und Hof­flächen. Das Esslinger Brunnen­statut geht auf das Jahr 1783 zurück. Es beschreibt die verantwortungs­volle Aufgabe des Brunnen­meisters zur Funktions­fähigkeit der Anlagen und zur Rein­haltung des Wassers. So heißt es:

„Derjenige, dem das allhiesige Esslinger kostbare Bronnen­wesen anvertraut ist, hat einen Eid zu Gott dem Allmächtigen abzuschwören, dass es soviel an ihm ist, zu Nutzen der Stadt befördern, allen Schaden aber warnen und abwenden wolle, insonderheit, dass er die Rohr­bronnen gut in Stand halten, auf die Reinig­keit derselben dringen und fleissige Obsicht habe, dass sie nicht von Adern mit Fenster, Kübel, Gälten, eintunken und abflössen, desgleich auch mit Salat, Gemüs und Kuttlen waschen verunreinigt werden.“

Grafik Wasserabgabe Esslingen, dargestellt sind der Wasserverluste, der Anteil der Eigengewinnungsanlagen, der Bodenseewasserversorgung und der größte Anteil der Landeswasserversorgung
Entwicklung der jährlichen Wasserabgabe in Esslingen
Grafik Trinkwasser aus dem Donauried mit Fassungen, Leitungen und Ortschaften.
Heute erhält Esslingen sein Trinkwasser aus dem Donauried, ein kleinerer Teil kommt vom Bodensee

Zu Beginn des 19. Jahr­hunderts kamen beim Bau der Wasser­leitungen auch Ton­röhren zum Einsatz. Aufgrund ihrer längeren Halt­barkeit und der günstigeren hygienischen Eigen­schaften ersetzten sie Stück für Stück die Holz­deicheln. Im Zuge der fort­schreitenden Industrialisierung wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahr­hunderts zunehmend auch Guss­rohre verwendet. Vereinzelt sind sie heute noch in Betrieb. Die weitere Ent­wick­lung Esslingens führte dazu, dass um 1870 das Quell­wasser nicht mehr ausreichte, den Bedarf zu decken. Dies hatte im Jahr 1876 den Bau des ersten dampf­betriebenen Grund­wasserwerks in Württem­berg zur Folge. Aus einer nahe dem Neckar gelegenen Sicker­galerie wurde Grund­wasser entnommen, welches über eine Druck­leitung in den Wasser­behälter der über der Stadt gelegenen Burg gefördert wurde. Im Zuge des Eisen­bahnbaus wurde die Galerie im Jahr 1889 an das linke Neckar­ufer verlegt.

Da Esslingens Wasserb­edarf um das Jahr 1915 aufgrund des anhaltenden Wirtschafts­wachstums und der rasch zunehmenden Bevölkerung nicht mehr aus den orts­nahen Vorkommen gedeckt werden konnte, trat die Stadt 1916 der vier Jahre zuvor gegründeten Landes­wasser­versorgung bei. Schon ein Jahr später war der Anschluss zum LW-Behälter Roten­berg hergestellt. Damit konnte Grundw­asser aus dem 70 Kilometer entfernten Donau­ried in die Stadt geleitet werden. Der weitere Ausbau der Versorgungs­anlagen erfolgte Schritt für Schritt. Zur Erhöhung der Versorgungs­sicherheit trat Esslingen der 1954 gegründeten Bodensee-Wasserversorgung bei. Heute erhält die Stadt rund 75 Prozent des Trink­wassers von der Landes­wasser­versorgung und rund 25 Prozent von der Bodensee-Wasser­versorgung. Während das Trink­wasser der Landes­wasser­versorgung in der Innen­stadt und im Stadtgebiet nördlich des Neckars verteilt wird, werden die südlich gelegenen Stadt­bezirke mit Boden­see­wasser versorgt. Die ortsnahen Wasser­vorkommen dienen der Not­versorgung.

Brunnen mit einer Reiterstatue im Hintergrund und schönen alten verzierten Häusern
Der Postmichelbrunnen – ein Schmuckstück in der Esslinger Altstadt
Gemälde eines Marktplatzes mit Brunnenanlage und Menschen, im Hintergrund eine Kirche
Esslingens Löwenbrunnen war lange Zeit der Treffpunkt für die neusten Nachrichten der Stadt
Zeichnung eines Wasserwerks mit Gebäude und Turm
Ab dem Jahr 1900 sicherte ein neues Wasserwerk den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt
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