
Mittelalterliche Burgen hatten neben ihrer Aufgabe als Herrschaftssitz und Wohnung auch eine schützende Funktion im Fall einer feindlichen Belagerung bzw. eines Angriffs. Der Wasserversorgung einer Burganlage kommt daher eine besondere Bedeutung zu. Der jeweiligen Situation angepasst, mussten die Burgbewohner nicht nur in Friedenszeiten sicher versorgt werden; die Anlage musste auch im Fall einer Belagerung der Burg zuverlässig und langfristig funktionieren. Dies erforderte im Einzelfall enorme Anstrengungen, da für die Lage einer Burg weniger versorgungstechnische als vielmehr verteidigungsbedingte Gründe maßgeblich waren.
Die Wasserversorgung der Burgen und Dörfer des Mittelalters unterscheidet sich grundlegend von den heutigen Verhältnissen. So floss das Wasser um das Jahr 1 000 n. Chr. nicht in den Gebäuden und in beliebiger Menge aus den Leitungen; es musste vielfach sehr mühsam und Schluck für Schluck gewonnen und über teils weite Strecken transportiert werden. Daher wurde Wasser in der Regel sparsam verwendet, zumeist war es kalt. Infolgedessen waren die hygienischen Verhältnisse eher bescheiden.
In Friedenszeiten wurden oftmals mehrere Möglichkeiten der Wasserversorgung gleichzeitig genutzt – Bäche, Flüsse, Seen, Quellen oder Brunnen. Häufig wurde das Wasser aus Bächen am Fuß des Burgberges geschöpft und auf Eseln zur Burg transportiert. Falls in der Nähe Quellen vorhanden waren und diese günstig lagen, wurde das Wasser in Gräben oder Leitungen, manchmal auch in Stollen, der Burg zugeführt.
Vor allem in Krisenzeiten aber musste das Wasser aus bis zu 175 Meter tief gegrabenen Brunnen innerhalb der Burganlagen gehoben werden – eine besondere Herausforderung für die auf Höhenzügen über den Tälern liegenden Burgen. Die Ausgrabungsarbeiten und die Vermauerung der Brunnen im felsigen Untergrund waren technische Meisterleistungen. Als Fördereinrichtung dienten Winden, Haspeln oder in Einzelfällen Treträder, die von Menschen oder Tieren bewegt wurden. Über ein Förderseil wurde der Schöpfeimer zu Wasser gelassen und wieder hochgezogen. Nur auf wenigen Burgen gab es bereits Wasserleitungen vom Brunnen zu einzelnen, ausgewählten Räumen, wie beispielsweise die Küche. Sie waren aus Holzdeicheln oder Bleirohren – zum Teil waren sie ins Mauerwerk eingelassen





Oftmals wurden auch Zisternen, unterirdisch angelegte Behälteranlagen, zur Wasserspeicherung genutzt; insbesondere dann, wenn Brunnen nicht den gewünschten Erfolg brachten. In Zisternen wurde das Regenwasser der Dach- und Hofflächen der Burg gesammelt, um einen Wasservorrat anzulegen und um längere Belagerungszeiten möglichst unbeschadet überstehen zu können. Bei ausbleibendem Regen war die Versorgung jedoch unterbrochen. Da ablaufendes Regenwasser nicht rein ist, wurden vereinzelt auch Filterzisternen gebaut. Sie boten die Möglichkeit, das verunreinigte Wasser über Sand und Kies zu leiten, um es dann über einen Schacht sauber zu entnehmen.
Die in der Eifel gelegene Burg Blankenheim geht auf das Jahr 1273 zurück. Ihre Wasserversorgung weist einige Besonderheiten auf. Um die bestehende Versorgung aus einer Zisterne zu steigern, wurde um das Jahr 1470 eine Fernwasserversorgung gebaut. Sie umfasst eine Quelle, die rund einen Kilometer lange Zuleitung und den Wasserbehälter im Burghof. Die Holzrohrleitung quert in ihrem Verlauf ein zwölf Meter tiefes Tal und einen fünfzehn Meter hohen Berg. Sie war abschnittsweise als Druckrohrleitung, als Aquädukttunnel und als Gefälleleitung ausgeführt.
Quelle:
Wasser auf Burgen im Mittelalter, Verlag Philipp von Zabern, Mainz, 2007
Wikipedia-Onlinelexikon, 2009