
Peru ist bekannt für seine Inka-Kultur. Sie war ein enger gesellschaftlicher Verbund vieler verschiedener Indianervölker und dauerte von 1200 bis 1533 nach Christus. Die Unterwerfung durch die spanischen Eroberer unter ihrem Führer Francisco Pizarro besiegelte ihr Ende. Die Brunnenanlage und der Bewässerungskanal von Cantalloc im Süden Perus dienten bereits vor 1 500 Jahren den Nasca-Indianern zur Gewinnung und Verteilung von Wasser für die Menschen und den Ackerbau.
Bereits lange vor den Inkas gab es in dieser Region hoch entwickelte Indianervölker, die nicht nur Häuser und Festungen, sondern auch Bewässerungsanlagen bauten. So hatten beispielsweise die Mochica im Norden Perus schon 1 000 Jahre früher Bewässerungssysteme entwickelt, die sie von ihren Vorgängern, den Chavin und den Paracas, übernommen hatten. Durch 150 Kilometer lange, von Hand mit großen, schweren Steinen und Erde befestigte und in den Felsen geschlagene Kanäle strömte das frische Quellwasser der Anden zu den Feldern, auf denen rund 3 000 Sorten Kartoffeln, 74 Sorten Mais, Paprika, Bohnen und Kürbis angebaut wurden.
Im Süden Perus nutzte das Volk der Nasca in der Zeit ab Christi Geburt bis 600 danach das Wasser von Fluss- und Grundwasseroasen. Zum Teil gewannen sie es aus mehreren Metern tiefen, in den Boden gegrabenen Brunnenanlagen mit kunstvoll und spiralförmig nach unten angelegten Wegen. Sie boten die Möglichkeit zur Bewässerung der fruchtbaren Böden – eine wichtige Grundlage für die dauerhafte Besiedlung der Region. Viele andere Kulturen siedelten in den Tälern der Anden oder am Titicacasee, wo sie ausreichend Wasser und fruchtbare Böden für den Ackerbau fanden.


Die Brunnenanlage und der Bewässerungskanal von Cantalloc im Süden Perus dienten bereits vor 1 500 Jahren den Nasca-Indianern zur Gewinnung und Verteilung von Wasser für die Menschen und den Ackerbau.

Die Huari beispielsweise bauten in der Zeit von 600 bis 1 100 n. Chr. schmale Bewässerungskanäle. Sie berechneten exakt deren Breite und Neigung und entwickelten die „camellones“, ein System, bei dem das Wasser zwischen die Felder geleitet wurde. Es spendete den Pflanzen ausreichend Feuchtigkeit, erwärmte sich tagsüber in der Andensonne und gab die Wärme in den kühlen Gebirgsnächten an die Pflanzen ab. So konnten mehr Kartoffeln, Quinoa-Getreide, Maca-Knollen und Gemüse geerntet werden.
Im Zentrum des Inka-Reiches lag die Stadt Cusco, sie war Sitz der Inka-Könige. In der Blütezeit erstreckte sich ihr Reich über 4 000 Kilometer von Kolumbien im Norden bis nach Argentinien im Süden. Die Menschen lebten damals weit verstreut in kleinen Dörfern. Ihr Wasser schöpften sie aus Quellen, Bächen, Flüssen und Seen. Dabei nutzten sie auch die Bewässerungsanlagen ihrer Vorfahren und bauten sie weiter aus. In der Umgebung von Cusco ließ Pachacútec, der 9. Inka-König, Terrassen für den Mais- und Kartoffelanbau errichten. Zudem ließ er in der Stadt Kanäle anlegen, die das Flusswasser verteilten und das Abwasser ableiteten. Über eine Vielzahl von Kanälen floss reichlich frisches Quellwasser aus den umliegenden Bergen in die Stadt.
Zu den heiligen Quellen von Tambo Machay besagt eine Quechua-Legende über die Wirkung der drei kleinen Wasserläufe: Trinkt man von dem Wasserlauf rechts unten, so wird man davon jünger, trinken Frauen vom Wasserlauf links unten, so bekommen sie Zwillinge; der obere Wasserlauf dagegen soll eine segnende Wirkung haben.
Im „Valle Sagrado“, dem heiligen Tal der Inka, gab es Felder, auf denen die verschiedensten Früchte angebaut wurden. Die guten Böden, die vielen Sonnentage, die milden Nächte und die ganzjährige Wasserversorgung aus dem Rio Urubamba und den Quellen ließen die Pflanzen prächtig gedeihen.
Jede Stadt, jedes Heiligtum und jede Festung der Inka war von Hangterrassen umgeben, die oft schwindelnde Höhen erreichten. Die meisterhafte Terrassierung der steilen Hänge ermöglichte den Inka die ideale Bewässerung und eine gute Ernte. Sie verhinderte zudem die Erosion der Böden durch Wolkenbrüche, starke Winde oder Bergrutsche.
Machu Picchu ist heute die bekannteste Ruinenstadt des alten Inka-Reiches. Sie beherbergt 216 auf Terrassen liegende Steinbauten, die durch Treppen miteinander verbunden sind. In den Terrassen sind Entwässerungsleitungen verlegt, das Wasser gelangt durch Ablauföffnungen ins Freie. Um die Wasserversorgung sicherzustellen, bauten die Inka einen Kanal von einer Wasserquelle außerhalb der Stadt zum zentral gelegenen Sonnentempel und zu 16 kaskadenförmig angeordneten Brunnenbecken an der Nordseite des Tempels. Alle Anlagen funktionieren bis heute – eine erstaunliche Leistung der alten Inka-Kultur.


Quelle:
1. Peru - Entdeckungsreisen im Land der Inka, Dumont-Reisehandbuch, 2017
2. Peru Highlights, Tipps, unvergessliche Erlebnisse, National Geographic Traveller, 2011