
Die sich um das Jahr 1900 zunehmend verschärfende Wassernot in und um Stuttgart rief die Verantwortlichen der Wasserversorgung auf den Plan. Innerhalb kürzester Zeit musste eine Lösung gefunden werden, um die Versorgung der bevölkerungsreichen, wirtschaftlich aufstrebenden, jedoch wasserarmen Region langfristig sicherzustellen. Bereits im April 1909 legte die Stadt Stuttgart ein Gutachten vor. Es sah vor, Trinkwasser aus dem nahe ge-legenen Nordschwarzwald oder vom Bodensee zu beziehen. Ein dritter Vorschlag befasste sich mit der Wassergewinnung im Donauried bei Niederstotzingen und dessen Transport durch die Täler der Brenz, des Kochers und der Rems in den Neckarraum.
Unter Abwägung einer Vielzahl von Aspekten fiel die Entscheidung zur Wassergewinnung auf das Donauried. Im Gegensatz zu der in Frage kommenden Entnahmestelle am Bodensee lag das Donauried nämlich in Württemberg – nicht in Baden, ein aus damaliger Sicht entscheidendes Argument für eine sichere Wasserversorgung der württembergischen Landeshauptstadt. Im Gegensatz zum Nordschwarzwald stand im Donauried eine weitaus größere Wassermenge und noch dazu von bester Qualität zur Verfügung. Hinzu kam, dass die Leitungsquerung der Schwäbischen Alb bei Aalen mit einem Höhenunterschied von 86 Metern weit geringer ausfiel als eine Überquerung der Alb vom Bodensee mit einem Höhenunterschied von 310 Metern. Dies spielte hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Rohrwerkstoffe, der Pumpentechnik und dem Energiebedarf eine wichtige Rolle. Zudem war der Weg vom Donauried her kürzer als der vom Bodensee.
Bereits im Jahr 1912 wurde mit dem Bau der Brunnenreihe 1 südlich von Niederstotzingen begonnen. Im Sommer 1917 war die Anlage mit 46 einzelnen Brunnen betriebsbereit.
Lediglich drei Jahre später ging im westlichen Donauried die Fassung 2 mit 47 Brunnen in Betrieb. Die dritte Fassungsanlage folgte im Jahr 1927 mit 30 Einzelbrunnen. Danach wurde bis zum Jahr 1936 die Fassung 6 im östlichen Donauried mit 57 Brunnen ausgestattet. Im Jahr 1951 nahm die im zentralen Ried gelegene Fassung 4 den Betrieb auf. Der Ausbau der Gewinnungsanlagen fand im Jahr 1955 einen Abschluss durch die Inbetriebnahme der Fassung 5 bei Langenau. Das den Brunnen entnommene Grundwasser wird von Anfang an im Heberbetrieb in die Vorpumpwerke der sechs Fassungsanlagen gefördert. Von dort wurde es aus den östlichen Fassungen zum Wasserwerk Niederstotzingen und aus den westlichen Fassungen zum Förderwerk Schotthof gepumpt. Während das Wasserwerk Niederstotzingen bereits im Jahr 1917 betriebsbereit war, ging der Schotthof im Jahr 1926 in Betrieb. Beide Werke förderten das Wasser in die Hauptleitung nach Stuttgart. Mit der Inbetriebnahme des Wasserwerkes Langenau im Jahr 1973 wurde die Grundwasserförderung Schritt für Schritt umgestellt. Heute wird das gesamte Grundwasser dem Wasserwerk Langenau zugeleitet, mit dem zu Trinkwasser aufbereiteten Donauwasser gemischt und anschließend an die Kunden abgegeben.
Das Donauried bietet dem Grundwasser einen besonderen Schutz. Infolge der großflächig vorhandenen lehmigen Böden ist der darunter liegende Grundwasserleiter im Vergleich zu Oberflächengewässern gegenüber Schadstoffeinträgen gut geschützt. Zudem filtern die durchströmten Sand- und Kiesschichten das Grundwasser. Auch zukünftig, insbesondere aber in den Zeiten des Klimawandels, wird das Donauried ein landesweit bedeutsamer Grundwasserspeicher bleiben. Als unsichtbarer Bodensee ist das Donauried der Trinkwasserspeicher für drei Millionen Menschen.


„Da ich die Volksseele kenne, ließ ich die Pegel doppelt ausführen: der eine, richtige, mit einem eisernen Verschluss versehene, war sichtbar und wurde auch bald, wie ich vermutet hatte, von den Bauernbuben aufgeschraubt und mit Dreck voll gestopft. Deshalb ließ ich sofort im Abstand von einigen Metern einen zweiten Pegel anlegen, der nur mit einem Holzspund zugeschlossen, mit einem Brettchen abgedeckt und mit Erde oder Rasen zugedeckt wurde, so dass er dem Auge verborgen blieb … Wenn ein Pegel verstopft war, ließ ich ihn wieder frei machen und schickte dem Bürgermeister die Rechnung. Tatsächlich ließ ich aber auch die verborgenen Pegel mit ablesen, so dass die Ablesung nie gestört war. Die verborgenen Pegel haben die Bauern nicht gefunden, denn unser Personal hatte strenge Anweisung, diese Pegel nur freizumachen, wenn niemand in der Nähe war, und lieber den Weg noch einmal zu machen, als den Pegel zu verraten.“
List und Tücke der Grundwasserüberwachung – aus dem Protokoll des zuständigen Wassermeisters.

