Die Badekultur hat sich von der Antike bis heute ständig verändert. Für alle Völker in allen Zeitepochen war Baden jedoch weit mehr als reine Hygiene. Entspannung, Genuss und Vergnügen gehörten immer dazu.
Der Ursprung des öffentlichen Bades liegt vor etwa 2 600 Jahren in Griechenland. Damals stand die Reinigung der Athleten im Mittelpunkt. Die Harmonie von Wasser, Körper und Geist nahm jedoch damals schon einen breiten Raum ein. Nur 200 Jahre später wurden kunstvolle Badehäuser gebaut, in denen neben warmem Wasser und Dampf auch Sande und Öle zur Anwendung kamen.
Zur Zeit der Römer spielte das Warmbad eine große Rolle. Es wurde zum Treffpunkt geselliger und politischer Runden. Hier wurde nicht nur geplaudert, hier wurden Verträge geschlossen. Die römischen Kaiser Caracalla und Nero bauten als Zeichen ihrer Macht und ihres Reichtums riesige Thermen, die vielen 1 000 Personen Platz boten. In den Thermen des Kaisers Diokletian standen rund 3 000 Alabasterwannen. Noch heute zeugen die Reste antiker Bäder von ihrer Pracht. Kalt-, Warm-, Dampf- und Freibäder, Fußbodenheizungen, Umkleideräume und überdachte Bereiche gehörten dazu.
Nach dem Untergang des römischen Reiches verfielen die Thermen zusehends. Die germanischen Merowinger badeten in Flüssen, Seen oder einfachen Holzzubern. Um das Jahr 1100 entdeckten die Kreuzfahrer die Badekultur wieder. Ab dem 12. Jahrhundert wurden in den mittelalterlichen Städten öffentliche Badestuben Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Hüllenloses Baden war anfangs verboten, Männer und Frauen badeten getrennt.
In den Schwitz- oder Wannenbädern herrschte oftmals geselliges Treiben, es wurde gegessen und musiziert. Der Bader war zumeist auch Chirurg und Barbier. Nebenbei fungierte er als Kuppler und Heiratsvermittler. Die Ausbreitung von Krankheiten führte im 15. Jahrhundert zu einem erneuten Niedergang der Badekultur.
Bald schon galt die Körperpflege als überflüssig, es wurden nur noch Gesichter und Hände gewaschen. Der übrige Körper und die Haare sollten keinesfalls mit Wasser in Berührung kommen. Dafür wurde nun der Kleidung große Aufmerksamkeit gewidmet. Düfte und Puder wurden dem Adel zum wichtigsten Teil der Körperpflege.



Erst im Zeitalter der Aufklärung gewannen Körper und Natürlichkeit wieder an Bedeutung. Die Zahl der öffentlichen Bäder stieg. Gab es im Jahr 1773 in Paris nur neun Badeanstalten, so erhöhte sich deren Zahl um 1800 auf 78. In Mode kamen Badekabinen und Schwimmbäder, insbesondere in den vornehmen Kreisen. Fünfzig Jahre später erlebten luxuriöse orientalische Bäder einen Siegeszug durch Mitteleuropa.
Zwischen den Jahren 1918 und 1945 blieb wenig Raum für Luxus. Hygiene und Sauberkeit traten in den Vordergrund. Öffentliche Bäder wurden zu einfachen Badeanstalten oder Duschbädern.
Wohlhabende Bevölkerungskreise entwickelten schon sehr früh eine private Badekultur. Auch wenn sie in der antiken Welt ihren Platz hatte, so war der Weg zum heimischen Bad doch sehr lang. Mit Mosaiken und Marmor ausgestattete römische Bäder zeugten vom Reichtum ihrer Besitzer. Burgen und Schlösser des Mittelalters verfügten teilweise über Badestuben. Im 17. Jahrhundert dienten die Bäder zumeist der Repräsentation. Hundert Jahre später hielt die moderne Metallbadewanne Einzug.
Das in Wannen abgehaltene „Bad im Salon", war um 1780 in feiner Gesellschaft beliebt. In den Bürgerhäusern fasste das Bad, wie wir es heute kennen, erst im 20. Jahrhundert Fuß.
Heute haben neben den Privatbädern die öffentlichen Bäder unter dem Slogan „Fitness und Wellness" den Glanz römischer Bäder wieder erreicht. Ausgestattet mit Saunen, Heiß-, Dampf-, Kalt- und Mineralbädern sind es Wohlfühloasen, die bei weitem nicht nur der Hygiene dienen.




