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Zwei Frauen stehen selbstbewusst mit eingestützen Armen auf einem Balkon und schauen freundlich in die Kamera.

Dr. Katharina Heck (links vorne) und Stefanie Volke leiten die Abteilung Wasserwirtschaft der Landeswasserversorgung

Zeitgemäßes Führungsmodell: Abteilungsleiterinnen als Tandem in Teilzeit

20.03.2026

Von wegen „Lifestyle-Teilzeit“: Dr. Katharina Heck und Stefanie Volke sind hochqualifizierte Ingenieurinnen, Mütter – und Führungskräfte. Sie arbeiten in Teilzeit und übernehmen als Co-Abteilungsleiterinnen viel Verantwortung für die Landeswasserversorgung. Im Interview sprechen sie über das außerge-wöhnliche Modell, gemeinsame Werte und natürlich die Teilzeit-Debatte.

Frau Heck, Sie sind bei der LW verantwortlich für die Abteilung Wasserwirtschaft. Was ist deren Aufgabe?

Katharina Heck (KH): Die Abteilung Wasserwirtschaft betreut die Rohwasserressourcen der LW. Das heißt, wir schauen sowohl, dass die Qualität der Rohwasserressourcen passt, als auch, dass wir genug Rohwasserressourcen haben. 

Was beschäftigt Sie aktuell? 

KH: Unser Trinkwasser entnehmen wir unter anderem aus Brunnen im Donauried, aus der Donau und aus der Buchbrunnenquelle. Die rechtliche Grundlage für die Entnahme sind Wasserrechte. Diese Wasserrechte laufen zum Teil demnächst, zum Teil in 10 bis 15 Jahren aus. Wir haben jetzt die Aufgabe fachlich sicherzustellen, dass wir weiterhin Wasser entnehmen dürfen. 

Die Führung der Abteilung teilen Sie sich im Tandem mit Frau Volke. Sie sind beide zu 60 Prozent in Teilzeit angestellt. Wie kam es zu diesem außergewöhnlichen Führungsmodell? 

Stefanie Volke (SV): Die Abteilung Wasserwirtschaft war früher anders strukturiert. Aufgrund vieler anstehender Projekte hatte die Geschäftsführung beschlossen, die zentralen technischen Dienste auszukoppeln, wodurch es eine neue Abteilungsleitung brauchte. Unser technischer Geschäftsführer, Herr Professor Haakh, hat dann ein Experiment gewagt und die Abteilungsleitung als Tandemstelle ausgeschrieben – auch um eine Antwort auf den Fachkräftemangel zu geben.

KH: Ich hatte zuerst zugesagt. Als wir uns im Vorstellungsprozess getroffen und ausgetauscht haben, haben wir direkt festgestellt, dass das Bauchgefühl passt und dass das mit uns beiden was wird.

Ich musste nach meiner Elternzeit keinen Rückschritt in meiner beruflichen Entwicklung hinnehmen.

Frau Volke, was hat Sie überzeugt an diesem Modell? 

SV: Natürlich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ich brenne für meinen Beruf, ich bin Ingenieurin und gleichzeitig auch Mama. Und das Schöne an dieser geteilten Führungsposition ist, dass ich nach meiner Elternzeit keinen Rückschritt in meiner beruflichen Entwicklung hinnehmen musste, sondern grad so weitermachen konnte. 

Welche Perspektive haben Sie beide als junge Mütter auf die LW als Arbeitgeberin? 

KH: Ich finde, es ist außergewöhnlich, dass die LW das Tandem-Modell in Betracht gezogen hat. Ich hoffe, wir füllen die Rolle so gut aus, dass das ein Zukunftsmodell wird. Die LW bietet wirklich viele Chancen und versucht auch Einzelfalllösungen möglich zu machen. 

SV: Ja, genau. Die LW hat an der Stelle einen Schritt gewagt, den andere Unternehmen in der Branche scheuen. Im Ingenieurbereich, im klassischen Infrastrukturbereich, gibt es das nicht so häufig. Es fühlt sich gut an, so unterstützt zu werden. Ich will trotz Teilzeit nicht nur die kleinen Projekte machen, sondern weiterhin auch im großen Ganzen mitspielen. 

Wie organisieren Sie sich im Berufsalltag? Wie stellen Sie beispielsweise sicher, dass Sie für Ihre Kolleginnen und Kollegen erreichbar seid? 

KH: Wir haben eine feste Aufteilung der Zeiten, wann wir da sind. Diese ist dem Team bekannt. Gleichzeitig haben wir viel Arbeitszeitüberschneidung, sodass wir uns gut absprechen können. Zusätzlich sind wir beide greifbar, wenn in der Freizeit etwas ganz Wichtiges aufkommt. Dann schreiben wir uns auch mal privat und stimmen uns kurz ab. 

Die eine trägt lieber vor, die andere ist vielleicht stärker in Diskussionen. Das findet sich relativ natürlich.

Wie handhaben Sie repräsentative Aufgaben? 

SV: Das kommt immer drauf an, wer da ist. Teilweise ist es davon abhängig, wer an welchen Tagen da ist, dann hängt es aber auch von den Themen ab. Jede von uns hat Schwerpunkte aufgrund unserer verschiedenen Ausbildungen. Ja, und dann sind es vielleicht auch Vorlieben: Die eine trägt lieber vor, die andere ist vielleicht stärker in Diskussionen. Das findet sich relativ natürlich. 

Stichwort Stärken: Wer bringt welche Stärken ins Tandem ein? 

KH: Stefanie ist super organisiert und hat sehr viel Verantwortungsgefühl. Ihr gelingt es auch, pragmatisch loszulassen und zu sagen: “Ja, passt so, mach einfach.” Ich muss nicht immer in jedem Prozess im Detail involviert sein, sondern wir haben da so eine schöne Form der Zusammenarbeit. 

SV: Danke schön. Katharina ist auf jeden Fall sehr präsent, sehr offen, super kompetent und natürlich top ausgebildet, kann komplexe Zusammenhänge sehr schnell verstehen und ist wahnsinnig schnell im Abarbeiten von Dingen. Und was ich zurückgeben kann, ist, dass die Zusammenarbeit so gut klappt, weil auch sie durchaus mal sagen kann: “Mach du, ich brauche das jetzt nicht auch noch wissen.” 

Ehrlichkeit miteinander, klare Regeln, der anderen auch mal den Vortritt lassen. Das sind unsere drei wichtigsten Punkte.

Was macht eine gute Zusammenarbeit im Führungsteam aus? 

KH: Ehrlichkeit miteinander, klare Regeln, der anderen auch mal den Vortritt lassen. Das sind unsere drei wichtigsten Punkte. 

Mit welchen Erwartungen haben Sie sich auf das Teilzeitführungsmodell eingelassen und was ist vielleicht anders als erwartet? 

SV: Eingelassen habe ich mich darauf aufgrund der guten Vereinbarkeit der beiden Rollen: als Familienmensch und im Berufsalltag präsent sein zu können. 

KH: Die Zusammenarbeit mit Stefanie hat meine Erwartungen insofern übertroffen, als dass wir voneinander sehr viel lernen können aufgrund des unterschiedlichen akademischen Hintergrunds. Wir ergänzen uns sehr gut. 

Die Lifestyle-Teilzeitdebatte hat mit der Realität nicht viel zu tun.

Mit welchen Gefühlen haben Sie die Lifestyle-Teilzeitdebatte verfolgt? 

SV: Nette Frage, ja, die Lifestyle-Teilzeitdebatte. Frustration habe ich empfunden, auf der anderen Seite fand ich es auch ein bisschen ulkig, weil Katharina und ich nicht für den Arbeitsmarkt verfügbar wären, wenn es keine Teilzeitmöglichkeit gäbe. Da lehne ich mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass dann der Arbeitsmarkt definitiv verloren hätte. Ich denke, die Lifestyle-Teilzeitdebatte hat mit der Realität nicht viel zu tun. 

KH: Genau, ich denke auch, dass die meisten Unternehmen wissen, was sie an Teilzeitkräften haben. Viele Arbeitgeber wissen, dass Teilzeitkräfte genauso wertvoll für das Unternehmen sind. 

SV: Jeder muss wissen, wie viel er arbeiten möchte. Das ist am Ende ein Geben und Nehmen und wird vertraglich vereinbart. 

Was ist Ihre Wunschvorstellung? Wie lange können Sie sich diese Führungsrolle im Tandem noch vorstellen? 

KH: Wir sind mit einem offenen Ende gestartet. Wichtig war uns eine Mindestlänge, denn das ist kein Experiment, dass man mal für zwei Jahre startet und dann wieder abbricht. Dazu sind auch zu viel Ressourcen eingeflossen. Wir können uns das durchaus langfristig vorstellen. 

SV: Ja, kann ich nur so unterschreiben. Ich bin auch nicht mit einer Vorstellung von X Jahren in dieses Modell reingegangen. Wir sind jetzt beide Mütter von einem Kind, das heißt, wir machen diese Erfahrung als Mutter zum ersten Mal. Wir werden sehen, wie lange das eine Perspektive für uns hat. Dieses Führungstandem birgt nicht nur den Vorteil, was das Thema Teilzeit angeht, sondern eben auch, dass wir voneinander lernen können. Das macht es zu einem Mehrwert für die Abteilung, für die Geschäftsführung, für das gesamte Unternehmen. Wir bringen zwei Kompetenzen in eine Stelle ein – das darf man nicht unterschätzen! 

Zu den Personen

Katharina Heck hat einen Bachelor in Geoökologie, einen Master in Umweltschutztechnik. Promoviert hat sie im Bereich numerische Modellierung. Sie ist Mutter einer Tochter.

Stefanie Volke hat Bauingenieurwesen auf Diplom studiert, im Anschluss einen Master im Bauingenieurwesen mit der Vertiefungsrichtung Wasser abgeschlossen. Seit Februar 2024 arbeitet sie für die LW. Sie hat einen Sohn.

Weitere Informationen über die Landeswasserversorgung (LW)

Drei Millionen Menschen leben im Verteilungsgebiet der Landeswasserversorgung. Jährlich liefert die Landeswasserversorgung etwa 100 Millionen Kubikmeter Trinkwasser an rund 250 Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg – darunter Aalen, Ellwangen, Schwäbisch Gmünd, Göppingen, Esslingen, Stuttgart, Ludwigsburg und Ulm – sowie an einige Gemeinden in Bayern. Das Trinkwasser entstammt den Grundwasservorkommen der Schwäbischen Alb in der Region zwischen Ulm und Heidenheim. Ein Teil des Wassers wird der Donau entnommen und im Wasserwerk Langenau in einem mehrstufigen Verfahren zu Trinkwasser bester Qualität aufbereitet.

Ansprechpartner

Michael Simon
Pressesprecher
Telefon: 0711 2175-1327
Mobil: 0171 2178166
E-Mail: presse@lw-online.de

Anne Tenzer
stv. Pressesprecherin
Telefon: 0711 21751316
Mobil: 0160 96995092
E-Mail: presse@lw-online.de

Schützenstraße 4 · 70182 Stuttgart · www.lw-online.de

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