Stuttgart, 12.08.2026. So viel Wasser hat die Landeswasserversorgung (LW) in ihrer 114-jährigen Geschichte im Juni und Juli noch nie ins Netz eingespeist wie in diesem Jahr: 19,6 Milliarden Liter. Vier Tage im Jahr 2026 haben es bereits in die ewige Top-10-Liste der höchsten Tagesnetzeinspeisung geschafft, darunter der neue Rekordwert vom 25. Juni, an dem die LW sage und schreibe 434 Millionen Liter zur Verfügung stellte. Diese Zahlen verdeutlichen, wie außergewöhnlich hoch der Wasserbedarf in diesem Jahr ist, und sind auf die ausgesprochen hohen Temperaturen in Kombination mit der langanhaltenden Trockenheit zurückzuführen. Gleichzeitig zeigen die Rekordwerte, dass der Zweckverband auch unter extremen Bedingungen jederzeit ausreichend Trinkwasser bereitstellen kann.
Grundwasserstände rückläufig, jedoch im Normalbereich
Die Grundwasserstände sind seit Ende Februar kontinuierlich rückläufig und bewegen sich analog zum Jahr 2022 unterhalb des Mittelwerts, jedoch nicht im besorgniserregenden Bereich und oberhalb der Vergleichswerte von 2023. Ungewöhnlich niedrig ist der Pegel der Donau in Neu-Ulm, die dort mit 33 Kubikmeter pro Sekunde sehr wenig Wasser führt. Die LW hat deshalb auch die Entnahme auf rund 1.750 Liter pro Sekunde gedrosselt. Dass die Versorgungssicherheit weiterhin gewährleistet ist, liegt an der ausreichenden Ressourcenverfügbarkeit. Auf Tage und Wochen mit erhöhter Trinkwassernachfrage ist die LW sehr gut vorbereitet: In Spitzenverbrauchszeiten bezieht die Landeswasserversorgung mehr Trinkwasser von den Stadtwerken Heidenheim, um die regulären Ressourcen zu entlasten: die Kies- und Karstbrunnen im Donauried, die Donau, das Karstgrundwasser in Burgberg und das Quellwasser in Dischingen.
„Die LW hat sich frühzeitig auf den Klimawandel vorbereitet, das zahlt sich jetzt aus! Doch für die Zukunft muss die öffentliche Wasserversorgung Vorrang bekommen, gerade auch bei Genehmigungsverfahren im Zusammenhang mit dem Naturschutz, damit wir die Versorgungssicherheit fürs Trinkwasser bei Dürren gewährleisten können“, fordert Prof. Dr.-Ing. Frieder Haakh, technischer Geschäftsführer der Landeswasserversorgung. „Außerdem benötigen wir ein landesweites Ampelkonzept für Wasserentnahmen, das der öffentlichen Wasserversorgung und der Landwirtschaft vorrangig die Wasserressourcen sichert und die Kommunen rechtlich stützt.“
Appelle zum Wassersparen auf kommunaler Ebene denkbar
Obwohl die Trinkwasserversorgung im Versorgungsgebiet gesichert ist, könnten manche Städte und Gemeinden ihre Bürgerinnen und Bürger zum Wassersparen aufrufen, nämlich dann, wenn die Kommunen ihr Bezugsrecht bei der LW ausgeschöpft haben. Dass viele Kommunen ihre Trinkwasserversorgung noch klimawandelresilienter aufstellen müssen, zeigten die Ergebnisse des „Masterplans Wasserversorgung Baden-Württemberg“. Das kann über die Ertüchtigung ortsnaher Brunnen gelingen oder dem Zusammenschluss mit anderen Gruppenwasserversorgern. Denn der Wasserversorger der Zukunft ist ein Zweibeiner.
Auch die Landespolitik hat die Wichtigkeit der Trinkwasserversorgung inzwischen erkannt. Unter dem Titel „Sichere Wasserversorgung Baden-Württemberg 2050“ wurde im Juni 2026 ein Beirat gegründet, der eine Wasserstrategie erarbeiten soll. In dem Gremium sind alle wichtigen Akteure der Wasserversorgung vertreten. Dazu zählen kommunale Wasserversorger, Gruppenwasserversorger, Fernwasserversorger, Stadtwerke, kommunale Spitzenverbände, Vertretungen aller Verwaltungsebenen sowie weiterer Fachbereiche und Verbände.