Stuttgart, 20.03.2025. Der von den Vereinten Nationen (UN) initiierte Tag des Wassers am 22. März steht dieses Jahr unter dem Motto „Glacier Preservation“, zu Deutsch: „Erhalt der Gletscher“. Ziel ist es, ein Bewusstsein für die Wichtigkeit von Gletschern für ein funktionierendes Ökosystem zu schaffen. Denn Gletscher speichern 70 Prozent des Süßwasservorkommens der Erde und speisen Flüsse, Seen und das Grundwasser. Durch den Klimawandel schmelzen sie immer schneller – mit erheblichen Folgen für die Trinkwasserversorgung.
Engpässe in Sommermonaten zu befürchten
Permanente Eismassen sorgten bislang für eine zeitverzögerte Abgabe der Niederschläge über den Gebirgen in Flüsse und Seen. Sterben Gletscher aus – in den letzten Jahrzehnten haben sie in den Alpen die Hälfte ihres Volumens verloren –, wird sich die Abflussmenge verändern: In niederschlagsreichen Monaten drohen Überschwemmungen, im Sommer führen Flüsse weniger Wasser. Das betrifft im Einzugsgebiet der Landeswasserversorgung (LW) die Donau, aus der die LW bis zu 2300 Liter pro Sekunde entnimmt, um sie anschließend im Wasserwerk Langenau aufzubereiten. Gerade im Sommer, wenn der Trinkwasserbedarf in den Haushalten steigt, könnte dies zu Engpässen führen. Neben der potenziell sinkenden Wassermenge stellen die steigenden Temperaturen der Donau die LW-Wissenschaftler*innen mikrobiologisch vor Herausforderungen.
An der Trinkwassermenge wird sich für die Bodensee-Wasserversorgung (BWV) durch die Gletscherschmelze wenig verändern: Der Bodensee fungiert als üppiger Ganzjahres-Wasserspeicher. Im Zusammenhang mit der Tiefenwassererneuerung beobachten die BWV-Expert*innen jedoch, dass die natürlichen Zirkulationsphasen des Bodensees unregelmäßiger werden. Die durchschnittliche Lufttemperatur über dem Bodensee ist in den vergangenen 30 Jahren um 1,3?°C gestiegen, während die Oberflächenwassertemperatur um 1,2?°C zugenommen hat. Die Erwärmung führt zu einer stabileren Schichtung des Wassers und erschwert die notwendige Durchmischung im Winter. Die vollständige Durchmischung des Wasserkörpers ist jedoch essenziell für den Sauerstoffgehalt des Tiefenwassers und der am Seegrund stattfindenden physikalischen und chemischen Prozesse.
Trinkwasserneubildung wird signifikant sinken
Der Klimawandel macht nicht nur Gletschern und dem Flusswasserdargebot zu schaffen. Auf Grundlage der steigenden Temperaturen berechnen Wissenschaftler*innen eine erhöhte Verdunstungsrate, die größer ist als die Niederschlagsrate. Die Folge: In den nächsten 30 Jahren könnte die Trinkwasserneubildung im Grundwasser der Kommunen Baden-Württembergs um 15 bis 50 Prozent sinken. Ortsnahe Brunnen und Quellen könnten im Sommer versiegen. Damit die Versorgung der Bevölkerung auch in Trockenperioden gewährleistet ist, sieht der „Masterplan Wasserversorgung Baden-Württemberg“ vor, dass die Kommunen ein Konzept erarbeiten, mit dem sie ihre Wasserversorgung auf ein zweites Standbein stellen: beispielsweise durch Kooperationen mit anderen Kommunen und Fernwasserversorgern. Ein zweites Standbein ist laut dem Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft aktuell nur bei 20 Prozent der Versorgungsbereiche uneingeschränkt vorhanden – eine besorgniserregende Quote, die verdeutlicht: Es ist Zeit zu handeln.
Bernd Mettenleiter, für die Grünen-Fraktion im Landtag zuständig für Wasser und Boden, sagt: „Der Klimawandel bedroht unsere Wasserversorgung direkt. Schmelzende Gletscher und steigende Temperaturen stellen uns vor immense Herausforderungen. Ohne Gletscher fehlt die zeitverzögerte Wasserabgabe, was besonders im Sommer zu Wasserengpässen führt – genau dann, wenn der Bedarf am höchsten ist. Wir müssen jetzt handeln und unsere Wasserversorgung zukunftssicher machen – durch Kooperationen, alternative Wasserquellen und nachhaltige Strategien. Der ‚Masterplan Wasserversorgung‘ ist dafür ein wichtiger Schritt, den wir entschlossen umsetzen müssen. Gleichzeitig ist es entscheidend, den Klimawandel so weit wie möglich zu begrenzen. Jeder Euro, den wir in den in Klimaschutz investieren, spart ein Vielfaches an Anpassungskosten. Es ist gut, dass die Bodensee- und Landeswasserversorgung schon jetzt vorausschauend reagieren, damit wir für die zukünftigen Herausforderungen gut aufgestellt sind. Kurzum: Klimaschutz und die Anpassung an die Folgen des Klimawandels gehen Hand in Hand.“
Weitere Informationen über die Bodensee-Wasserversorgung (BWV)
Am 25. Oktober 1954 gründeten 13 Städte und Gemeinden den Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung, um den ständig steigenden Trinkwasserbedarf mit Zusatzwasser aus dem Bodensee zu decken. Heute versorgt die Bodensee-Wasserversorgung über ihre 183 Mitglieder insgesamt 320 Städte und Gemeinden mit etwa vier Millionen Einwohnern jederzeit und in ausreichender Menge mit bestem Trinkwasser aus dem Bodensee.